Lynn Chadwick. Biester der Zeit

Laufzeit: 29. Februar bis 26. Juli 2020 (verlängert bis 20. September 2020)

Pressekonferenz: Donnerstag, 27. Februar, 11 Uhr

Eröffnung: 29. Februar, 16 Uhr

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Lynn Chadwick. Biester der Zeit

Fantasievoll, poetisch und skurril ist das Werk Lynn Chadwicks, das für die britische Nachkriegsmoderne wegweisend war. Die Ausstellung würdigt die Bedeutung Lynn Chadwicks als einen der wichtigsten Bildhauer Großbritanniens der Nachkriegszeit. Sie präsentiert dem deutschen Publikum erstmals sein Werk so umfassend an einem Ort – beginnend mit den frühen feingliedrigen Mobiles und Stabiles bis hin zu seinem raumgreifenden Spätwerk. Mit rund 70 Plastiken, zahlreichen Zeichnungen und Grafiken bietet die Ausstellung im Lehmbruck Museum ein kunsthistorisches Panorama des Werks des Künstlers, der zu den innovativsten Bildhauern seiner Zeit in Großbritannien zählt. In ausgesuchten Werkgruppen wird von den 1950er bis 1990er Jahren der beeindruckende künstlerische Werdegang des für die Nachkriegsmoderne wegweisenden Künstlers gezeigt.

Mit gerade einmal 41 Jahren gewinnt Lynn Chadwick 1956 als jüngster Bildhauer der Nachkriegszeit den Internationalen Preis für Skulptur auf der 28. Biennale in Venedig. Diese Auszeichnung überrascht, gelten doch Germaine Richier, César und Alberto Giacometti in diesem Jahr als Favoriten. Chadwick hingegen ist zu diesem Zeitpunkt ein relativer Newcomer in der Kunstszene. Dass die Wahl auf Chadwick und nicht auf Giacometti oder Richier fällt, zeigt, dass seine Werke in besonderer Weise den Nerv der Zeit treffen. Seine ausdrucksstarken Kreaturen verbildlichen die für diese Zeit prägende Mischung aus utopischer Fortschrittshoffnung und existentieller Angst aufgrund der traumatischen Kriegserfahrungen.

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Chadwick entwickelt als Autodidakt eine ganz eigene Formensprache, die sich aus der Reflexion von Architektur und Natur speist. Seine hybriden Kreaturen setzen sich aus menschlichen, tierischen und architektonischen Elementen zusammen. Häufig arbeitet er über Jahrzehnte hinweg an seinen Werkgruppen. So entstehen bis 1990 über 100 Variationen der Biester.

 

Eine wichtige Rolle spielt für den Künstler der Entstehungsprozess der Skulpturen. Chadwick, der zunächst als technischer Zeichner und Designer gearbeitet hat, modelliert seine Formen nicht in Gips oder Ton, sondern schweißt zunächst ein Gerüst aus Metallstangen. Dieses wird dann mit Stolit (einer Mischung aus Gips und pulverisiertem Eisen) ausgefüllt und die so entstandene Figur in Bronze gegossen. Chadwicks Zeichnungen auf Papier entstehen hingegen immer erst im Nachhinein. Sie basieren zwar motivisch auf seinen plastischen Arbeiten, haben aber keinen vorbereitenden Charakter. Stattdessen dienen sie dem Künstler zur Überprüfung der skulpturalen Formensprache, aber auch als Dokumentation. Im Unterschied zu den Skulpturen ist die Darstellung von Körpern und Gesichtern weniger abstrahiert.

Ein einzigartiges Gesamtkunstwerk hinterlässt der Künstler mit Lypiatt Park, wo er 45 Jahre lebte und arbeitete. Im dort entstandenen Skulpturenpark finden Chadwicks Werke eine ideale Umgebung. Häufig sind die Figuren vor dem Horizont oder einer Steinwand platziert, um ihre Konturen hervorzuheben. In der sorgfältigen Positionierung der Werke zeigt sich einmal mehr Chadwicks besonderes Gespür für gebaute Konstruktion und organische Formen gleichermaßen.

 

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog im Verlag der Buchhandlung Walther König erschienen, der die erste umfassende Publikation zum Gesamtwerk von Lynn Chadwick im deutschsprachigen Raum darstellt.

Statements der Förderer

Die Ausstellung „Lynn Chadwick. Biester der Zeit“ wird unterstützt vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kunststiftung NRW, der Sparkasse Duisburg, der Henry Moore Foundation und der Stadt Duisburg im Rahmen der Duisburger Akzente. Die Ausstellung ist in Kooperation mit dem Haus am Waldsee, Berlin, und dem Georg Kolbe Museum, Berlin, entstanden.

 

„Die Ausstellung Lynn Chadwick. Biester der Zeit bietet eine inspirierende Begegnung mit wahrlich fantastischen Schöpfungen des bedeutenden britischen Bildhauers Lynn Chadwick. Bereits 1960 machte eine Ausstellung mit kleinformatigen Arbeiten seines Frühwerks in Duisburg Station, umso größer ist heute die Freude, in einer umfassenden Werkschau die beeindruckende Entwicklung von den frühen 1950er Jahren bis zu seinem Lebensende zu zeigen. Es freut uns sehr, dass wir zum Auftakt des neuen Ausstellungsjahres mit Lynn Chadwick einen so hochkarätigen Künstler in Duisburg präsentieren können“, so Thomas Krützberg, Kulturdezernent der Stadt Duisburg.

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„Die Werke Lynn Chadwicks weisen weit über ihre Entstehungszeit hinaus“, so Dr. Ingrid Stoppa-Sehlbach, Referatsleiterin im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. „Zu Recht gilt er als einer der international profiliertesten Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Mit der umfassenden Retrospektive Chadwicks behauptet das Lehmbruck Museum unter der Leitung von Frau Dr. Söke Dinkla überzeugend sein Profil als Zentrum internationaler Skulptur. Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen fördert Ausstellungen von Museen, die für den künstlerischen Dialog in Nordrhein-Westfalen von besonderer Bedeutung sind. Dies wird mit der Präsentation des international renommierten Künstlers Lynn Chadwick eindrucksvoll belegt.”

 

Dorothee Mosters erläutert die Sicht der Kunststiftung NRW auf die Ausstellung: „Mit der großen Retrospektive des britischen Künstlers Lynn Chadwick wird das internationale Ausstellungsprogramm des Lehmbruck Museums um eine bedeutende Bildhauer-Position des 20. Jahrhunderts bereichert. Wir fördern als Kunststiftung NRW die herausragenden Projekte, programmatische Besonderheiten und nachhaltige Konzepte in der Kunst NRW‘s und unterstützen daher mit Überzeugung die Schau Lynn Chadwick. Biester der Zeit.“

 

„Kulturförderung und gesellschaftliches Engagement sind für die Sparkasse Duisburg eine Selbstverständlichkeit. Für das Lehmbruck Museum übernehmen wir die Förderung besonders gerne, denn es ist ohne Zweifel eines der Aushängeschilder Duisburgs. Die gläserne Museumshalle ist nicht nur ein herausragendes Kennzeichen des Architekten, sondern öffnet für jedermann Einblicke in Kunst und Kultur. Das weckt Neugier – sicher auch auf die spannende Ausstellung des Bildhauers Lynn Chadwick“, so Ulrich Schneidewind, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Duisburg.

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Der Künstler

Lynn Chadwick, geboren 1914 in London, zählt zu den bedeutendsten Bildhauern der britischen Nachkriegsmoderne. In seinen Arbeiten verbildlichen sich eine für diese Jahre oftmals beschriebene charakteristische Mischung aus Zivilisationsmüdigkeit, utopistischer Fortschrittsgläubigkeit und existenzieller Angst, die sich aus der unmittelbar zurückliegenden Kriegserfahrung speiste. 1956 repräsentiert Chadwick zusammen mit dem Maler Ivon Hitchens Großbritannien bei der Biennale von Venedig im britischen Pavillon. Überraschend gewinnt er den internationalen Preis für Skulptur. Im Alter von 88 Jahren stirbt Lynn Chadwick 2003 auf seinem Anwesen Lypiatt Park, Gloucestershire.

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In seinem Leben hat Chadwick annähernd 1.000 Skulpturen geschaffen und ist in über 100 Einzelausstellungen gezeigt worden. Seine Werke befinden sich in den Sammlungen der berühmtesten Museen, wie dem Museum of Modern Art, New York, dem Art Institute of Chicago, der Tate Gallery, London und den Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel. In der ersten umfassenden, musealen Retrospektive in Deutschland, die in Zusammenarbeit mit dem Haus am Waldsee und dem Georg Kolbe Museum in Berlin entstanden ist, würdigt das Lehmbruck Museum den britischen Bildhauer als einen der innovativsten Künstler seiner Zeit.

Einzelausstellungen (Auswahl)

2019 Haus am Waldsee, Berlin, und Georg Kolbe Museum, Berlin; 2015 Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal; 2007 Gallery Pangolin, Gloucestershire; 2003 Tate Britain, Duveen Galleries, London; 2002 Buschlen Mowatt Gallery, Palm Desert, California; 2001 JGM Galerie, Paris; 1996 Les Champs de la Sculpture, Champs Elysées, Paris; 1994 The State Museum, St. Petersburg; 1992 Galleria Blu, Mailand; 1991 Yorkshire Sculpture Park, Wakefield; 1986 Beaux Arts, Bath; 1974 Jiyugaoka Gallery, Tokio; 1961 Marlborough Fine Arts, London; 1957 Saidenberg Gallery, New York; 1952 Gimpel Fields, London

Begleitprogramm zur Ausstellung

 

Sonntag, 17. Mai, 11 bis 17 Uhr

 

Abbildungen zur Ausstellung

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Über LehmbruckMuseum

Das mitten in Duisburg gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.