Eija-Liisa Ahtila. Skulptur in Zeiten des Posthumanismus

Laufzeit: 28. September 2019 bis 26. Januar 2020

Eröffnung: Samstag, 28. September, 16 Uhr

 

Die Erzählungen der finnischen Künstlerin Eija-Liisa Ahtila eröffnen uns neue Welten. Sie verwebt realistische und fiktive Elemente zu fesselnden Geschichten und ikonischen Bildern, die uns im Gedächtnis bleiben. In ihren neuesten Werken beschäftigt sie sich mit unserer Beziehung zur Umwelt: Ahtila plädiert dafür, eine Weltsicht zu überwinden, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Denn für sie ist die menschliche Welt nur eine von vielen parallel existierenden.

 

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Unter dem Titel „Skulptur in Zeiten des Posthumanismus“ präsentiert das Duisburger Lehmbruck Museum ihre neuesten Installationen zum ersten Mal in Deutschland. Die Ausstellung gibt mit selten gezeigten Skulpturen, Filmen und raumgreifenden Videoinstallationen einen umfassenden Einblick in das Gesamtwerk Ahtilas, die seit ihrer großen Einzelausstellung in der Londoner Tate Gallery und ihrer Teilnahme an der documenta 11 in Kassel im Jahr 2002 zu den international renommiertesten Künstlerinnen gehört.

 

In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit grundlegenden menschlichen Erfahrungen wie Liebe, Trennung, Gewalt, Pubertät, Tod, psychischen Ausnahmezuständen und unserer Beziehung zur Natur. Als Pionierin hat Ahtila multimediale Rauminstallationen entworfen, die das Geschehen auf mehreren Bildflächen präsentieren. Der nicht-lineare Erzählfluss bringt uns dazu, unseren eigenen Standpunkt immer wieder zu wechseln, um so die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen.

 

Ihr jüngstes Werk, das sich mit der Theorie des Posthumanismus beschäftigt, kommentiert die Künstlerin so: „In meinen neueren Arbeiten liegt der Schwerpunkt darauf, den Anthropozentrismus des bewegten Bildes zu hinterfragen. Ich lote aus, wie die Sprache des Films benutzt werden könnte, um im Angesicht einer sich beschleunigenden globalen Erwärmung und des massenhaften Aussterbens nichtmenschlichen Lebens ein ausgewogeneres Bild unseres Planeten und unserer heutigen Realität zu schaffen.“

 

„Eija-Liisa Ahtila ist eine meisterhafte Erfinderin neuer Formen des Erzählens“, so Dr. Söke Dinkla, Direktorin des Lehmbruck Museums. „Angesichts der aktuellen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen arbeitet sie an einer neuen Bildsprache, um unsere dominante Position in der Welt zurechtzurücken.“ Mit ihrer Erzählweise und ihren raumgreifenden Videoinstallationen hat Ahtila nachfolgende Künstlergenerationen maßgeblich beeinflusst. Ihre Arbeiten werden auf internationalen Filmfestivals und in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen – in Ländern wie Frankreich, England, Spanien, den USA, Kanada oder Mexiko – gezeigt und sind in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen weltweit, z. B. dem MoMA in New York, der Tate Modern in London, dem Mori Art Museum in Tokyo und dem   Moderna Museet in Stockholm, vertreten.

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Statements der Förderer

„Dass sich die Art und Weise, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, sehr verändert hat, sehen wir vor allem, wenn wir junge Menschen beobachten. Ein großer Teil der Kommunikation passiert heute in und mit den digitalen Medien. Es liegt daher auf der Hand, dass sich mit unserer Umwelt auch die Kunst verändert. Es freut uns sehr, dass wir das ungewöhnliche Werk einer der herausragenden Erneuerinnen der Skulptur in Duisburg präsentieren können“, so Oberbürgermeister Sören Link und Kulturdezernent Thomas Krützberg.

 

Die Ausstellung wurde erst mit der großzügigen Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes möglich.

„In Finnland und an vielen anderen Orten der Welt arbeitet Eija-Liisa Ahtila an Filmen, Videoinstallationen, Skulpturen und Raumsystemen, die ganz bewusst an anthropologischen Grundfesten rütteln: Was sind die Grenzen menschlicher Wahrnehmung?“ so Hortensia Völckers und Alexander Fahrenholtz. „Die Kulturstiftung des Bundes dankt der Künstlerin sowie dem Museum unter der Leitung von Dr. Söke Dinkla und der Kuratorin Dr. Bettina Dunker mitsamt ihrem Team für die Idee und Gestaltung einer Retrospektive, der wir viel Erfolg und ein großes, experimentierfreudiges Publikum wünschen.“

Unser herzlicher Dank gilt darüber hinaus dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) und der finnischen Stiftung Frame für ihre Förderung der Ausstellung.

 

 „Die Welt neu denken“ könnte auch der Titel dieser Ausstellung sein. Unter diesem Motto begehen das Land Nordrhein-Westfalen und die für die Landschaftliche Kulturpflege zuständigen Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) das 100-jährige Bauhaus-Jubiläum. „Während das Bauhaus auf die Herausforderungen der Industrialisierung reagierte, thematisieren Ahtilas Arbeiten die Themen des 21. Jahrhunderts, die sich aus unserem Verhältnis zur Umwelt ergeben“, so erklärt Prof. Dr. Thomas Schleper, LVR-Fachbereichsleiter und Mitglied des Lenkungskreises "100 jahre bauhaus im westen", den Zusammenhang der beiden von einem ganzen Jahrhundert getrennten Denkansätze.

 

Die Künstlerin

Eija-Liisa Ahtila, geboren 1959 in Hämeenlinna in Finnland, gehört spätestens seit ihrer großen Einzelausstellung in der Londoner Tate Gallery und ihrer Teilnahme an der documenta 11 in Kassel im Jahr 2002 sowie an den Biennalen in Venedig 1999 und 2005 zu den international bekanntesten Medienkünstlerinnen. Sie hat renommierte Auszeichnungen erhalten, darunter den Vincent Award für zeitgenössische Kunst, den Artes Mundi Preis für bildende Kunst und die Prins Eugen-medaljen für herausragende künstlerische Leistungen. Nach zehn Jahren ist Ahtilas Werk erstmals wieder umfassend in Deutschland zu sehen.

Einzelausstellungen (Auswahl)

 

2018 M - Museum Leuven; 2017 Salon Dahlmann, Berlin und Museo de Arte Contemporáneo, La Coruna; 2016 Guggenheim Bilbao; 2013 KIASMA Museum of Modern Art, Helsinki; 2012 Moderna Museet, Stockholm; 2010 DHC/ART Foundation for Contemporary Art, Montreal; 2009 Museum of Modern Art Aalborg; 2008 Jeu de Paume, Paris und K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf; 2006 Museum of Modern Art, New York und Museo de Arte Contemporáneo de Monterrey, Mexiko; 2004 Berkeley Art Museum; 2003 MUSEION, Bozen; 2002 Tate Modern, London und Kunsthalle Zürich; 2000 Neue Nationalgalerie, Berlin; 1999 Museum of Contemporary Art, Chicago

Auszeichnungen (Auswahl)

 

2012 Arte Award Bester Europäischer Film, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

2008 Prins Eugen-medaljen für herausragende künstlerische Leistungen

2006 Artes Mundi Wales International Visual Arts Prize

2002 Great Prize Fiction des Vila do Conde International Film Festival

2000 Vincent van Gogh Bi-Annual Award for Contemporary Art in Europe, Maastricht

1999 lobende Erwähnung bei der 48. Biennale Venedig

1998 Edstrand Foundation Art Prize, Malmö

1990 Young Artist of the Year Award, Tampere

Begleitprogramm

Filmabend

Donnerstag, 10. Oktober 2019, 18 Uhr

If 6 Was 9 (1995) / Today (1996) / The Hour of Prayer (2005) / The Annunciation (2010)

Mit einer Einführung von Jörg Mascherrek

Eija-Liisa Ahtila schafft in ihren Arbeiten Bildwelten, die die Wirkung und den Stil üblicher Filmgenres wie Kurzfilme, Werbefilme und den Kino- oder Dokumentarfilm zur Disposition stellen. Im filmforum sind frühe Kurzfilme und neuere Arbeiten wie „The Annunciation“ zu sehen, der bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen 2012 ausgezeichnet wurde.

filmforum Duisburg, Dellplatz 16 Eintritt: 8 EUR (erm. 6,50 EUR) Vorverkauf unter: www.filmforum.de

 

Lehmbruck Lectures

Donnerstag, 24. Oktober 2019, 18 Uhr

Posthumanismus – eine kleine Einführung

Vortrag von Dr. Stefan Herbrechter

Der Vortrag führt in die posthumanistische Perspektive und ein mögliches Ende unserer Vorstellung von Menschsein ein. Angesichts neuer Herausforderungen auf ökologischer, technologischer und biologischer Ebene stellt er die traditionelle Abgrenzung zwischen Mensch und Tier, Mensch und Maschine sowie Mensch und Umwelt und damit das humanistische Weltbild in Frage.

Teilnahme: 5 EUR

Donnerstag, 21. November 2019, 18 Uhr

Eija Liisa Ahtila: Vom multiplen Ich zur posthumanistischen Vision

Vortrag von Prof. Dr. Stephan Berg

Prof. Dr. Stephan Berg, Direktor des Kunstmuseums Bonn, geht in seinem Vortrag auf die ausgestellten Werke und die Arbeitsweise der finnischen Künstlerin ein. Dabei analysiert er ihre Installationen im Fokus posthumanistischer Denkmuster.

Teilnahme: 5 EUR

 

Finnischer Abend

Donnerstag, 31. Oktober 2019, 18 Uhr

Finsteres Finnland: Sagen, Texte und Musik

Lesung mit Jörg Mascherrek und dem Niehusmann-Gitarrenduo

Finnland ist nicht nur das Land der tausend Seen, sondern auch das Ursprungsland zahlreicher geheimnisvoller Sagen und Märchen. Jörg Mascherrek präsentiert Texte der finnischen Literatur, untermalt mit Stücken u.a. des finnischen Komponisten Jean Sibelius (1865-1857).

Teilnahme: 9 EUR (erm. 5 EUR)

Künstlerinnengespräch

Samstag, 9. November 2019, 15 Uhr

Eija-Liisa Ahtila im Gespräch mit Dr. Söke Dinkla

„Das bewegte Bild ist zur Sprache unserer globalen Kultur geworden“, so konstatiert Eija-Liisa Ahtila und verweist damit auf die Allgegenwart der filmischen Erzählung. Über das Medium Film und die Entstehung ihrer neuesten Arbeiten spricht die Künstlerin mit Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla. Das Gespräch findet in englischer Sprache statt.

Teilnahme: 9 EUR (erm. 5 EUR)

Workshops im City Atelier

Sonntag, 8.Dezember 2019, 14 Uhr

Haus der Gefühle

Collagen-Workshop mit Madalina Rotter

Mit Hilfe von Karton und Spiegelfolie entstehen architektonische Gebilde, die die Teilnehmenden durch Collagematerial und Bemalungen fantasievoll gestalten können. Das eigene Gesicht, wird bei der Gestaltung mit einbezogen, wobei Mimik und Konturen der Spiegel der Gefühle sind.

Sonntag, 29. Dezember 2019, 14 Uhr

Schwerelos durchs Weltall

Stop Motion Workshop mit Katharina Nitz

Um Personen oder Gegenstände schweben zu lassen braucht es keine Magie, sondern nur ein eigenes Smartphone und eine spezielle App. Ohne viel Aufwand können die Teilnehmenden selbstständig kleine Filme produzieren und eigene Visionen eines Schwebezustands kreativ umsetzen.

 

Finissage

Sonntag, 26. Januar 2020, 15 Uhr

Finnish Happiness

Die YIBU Dance Company interpretiert die Werke Eija-Liisa Ahtilas mit einer Tanzperformance. Zum Ausdruck kommt dabei die 2019 im Weltglücksbericht der UN festgestellte finnische „Happiness“. Die Choreographie stammt von der Folkwang Absolventin Chun Zhang, die 2019 mit dem renommierten Kurt-Jooss-Preis für Nachwuchs-Choreograph*innen geehrt wurde. Museumsmitarbeiter*innen präsentieren Werke der Ausstellung und kurze Texte zum Glück und stimmen damit auf das diesjährige Kulturfestival „Akzente“ zum Thema „Glück“ ein.

Teilnahme: 9 EUR (erm. 5 EUR)

 

Sonderführungen

Sonntagsführungen

Jeden Sonntag findet eine öffentliche Führung um 11:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 2 Euro zusätzlich zum regulären Eintritt.

Themenführungen:

Sonntag, 3. November 2019, 11:30 Uhr: Das Fremde in der Kunst

Sonntag, 8. Dezember 2019, 11:30 Uhr: Möglichkeiten der Liebe: Mutter und Kind reloaded

Sonntag, 12. Januar 2020, 11:30 Uhr: Das Haus des menschlichen Bewusstseins

Pay What You Want

Legen Sie Ihren Eintritt selbst fest und nehmen Sie an einer Führung durch die Ausstellung teil.

Freitag, 4. Oktober 2019, 15 Uhr, mit Dr. Bettina Dunker

Freitag, 10. Januar 2020, 15 Uhr, mit Nina Hülsmeier

Kunst & Kaffee

Führung durch die Ausstellung. Anschließend gibt es bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit für weitere Gespräche zur Ausstellung und zur Kunst allgemein.

Dienstag, 15. Oktober 2019, 15 Uhr, mit Dr. Bettina Dunker

Dienstag, 19. November 2019, 15 Uhr, mit Nina Hülsmeier

Teilnahme: 12 EUR, inkl. Eintritt, Führung, Kaffee und Kuchen

Fotos der aktuellen Ausstellung im Lehmbruck Museum:

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Über LehmbruckMuseum

Das mitten in Duisburg gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.