Zum hundertsten Todestag des Künstlers Wilhelm Lehmbruck

Am 25. März, zwei Tage nach der Eröffnung der Ausstellung “Schönheit. Lehmbruck & Rodin – Meister der Moderne“ im Lehmbruck Museum, jährt sich der 100. Todestag Wilhelm Lehmbrucks. Sein Grabmal auf dem Duisburger Waldfriedhof präsentiert sich nun mit einem Neuguss des berühmten „Kopf eines Denkers“.

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1881 in Meiderich bei Duisburg als Kind einer einfachen Bergarbeiterfamilie geboren,  erarbeitete Lehmbruck sich den Zugang zur damals bedeutendsten deutschen Kunstakademie in der Nachbarstadt Düsseldorf. Im Jahr 1906, nach Abschluss seines Studiums, wurde er Mitglied der Vereinigung der Düsseldorfer Künstler und bald darauf sogar auch der Société nationale des beaux-arts in Paris, an deren jährlichen Ausstellungen im Grand Palais er ab 1907 regelmäßig teilnahm. Eine imposante Karriere an den zentralen Schauplätzen des damaligen Kunstbetriebs, die Lehmbruck in kürzester Zeit machte. Damit wurde er zugleich auch ein wichtiger Mittler zwischen maßgeblichen Kunsttraditionen und ein echter Wegbereiter der internationalen Moderne.

 

1910 zog Lehmbruck zusammen mit seiner Familie nach Paris, weitere Lebensstationen in Berlin und Zürich folgten. Während der Zeit in Paris schuf er die Werke, die wir heute zu den Höhepunkten seines Schaffens zählen. Jenseits des kosmopolitischen Lebens waren für ihn aber auch seine Kriegserfahrungen prägend: 1914 wurde er als Sanitäter im Hilfslazarett Berlin-Friedenau verpflichtet, Mitte Januar 1916 erhielt er seine Zulassung als Kriegsmaler in Straßburg.  Doch selbst seine frühen internationalen Erfolge konnten nicht verhindern, dass sich seine Seele zunehmend verdüsterte. Die Ernennung zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, eine der wichtigsten Auszeichnungen für einen deutschen Künstler, konnte ihn nicht davon abhalten, seinem Leben ein frühes Ende zu setzen.

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Wilhelm Lehmbruck wurde zunächst in Berlin bestattet. Die Umbettung auf den Waldfriedhof in Duisburg-Wanheimerort erfolgte im Juli 1962, nach dem Tod seiner Ehefrau Anita (geb. Kaufmann, 1879 – 1961). In vertrauensvoller Abstimmung zwischen der Familie Lehmbruck und der Stadt Duisburg erhielt das Ehepaar Lehmbruck dort eine gemeinsame letzte Ruhestätte. Zu dieser Zeit war das von dem Architekten Manfred Lehmbruck, dem Sohn des Bildhauers, gestaltete Lehmbruck Museum bereits im Bau. Die Grabanlage wurde mit einem Bleiguss der Büste „Kopf eines Denkers“ geschmückt. Die Plastik, die Lehmbruck im Jahr 1918 schuf, ist ein spätes Hauptwerk des Künstlers. Sie kann auch als Selbstporträt interpretiert werden. Zum 100. Todestag nun stiftete die Familie einen neuen Steinguss dieser Plastik.

 

Oberbürgermeister Sören Link hebt die Bedeutung des Künstlers für die Stadt Duisburg hervor: „Wilhelm Lehmbruck, der in Duisburg-Meiderich geboren wurde, gehört ohne Zweifel zu den bedeutendsten Söhnen dieser Stadt. Trotz seines frühen Todes mit nur 38 Jahren hat er ein Werk geschaffen, das bis heute einzigartig ist und mit dem er zu einem der wichtigsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts wurde. Ich bin sehr froh, dass seine Grabstätte dieser Bedeutung nun wieder gerecht wird.“

 

Kulturdezernent Thomas Krützberg dankt allen „die daran mitgearbeitet haben, dass die Grabstätte Wilhelm Lehmbrucks wieder in würdiger Form erscheint. Durch die Unterstützung der Familie Lehmbruck, der Kulturbetriebe der Stadt Duisburg und des Lehmbruck Museums wurde es möglich, dies zu diesem bedeutenden Anlass des 100sten Todestages zu verwirklichen. Die Duisburger und Kunstfreunde aus aller Welt können diesen Ort nun wieder besuchen, um dem früh Verstorbenen ihre Ehre zu erweisen.“

 

Für Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla war es „eine Herzensangelegenheit, dass Wilhelm Lehmbruck zu diesem bedeutenden Jubiläum nicht nur mit der großen Ausstellung im Lehmbruck Museum, sondern auch an seiner letzten Ruhestätte geehrt wird. Deshalb lag mir viel daran, das Grabmal in seiner einzigartigen individuellen Form wieder herzustellen. Der „Kopf eines Denkers“ ist ein ikonisches Werk für die Kunst der Moderne.“ 

Fotos: Frank Vinken

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Über LehmbruckMuseum

In einem der reizvollsten Museumsbauten der Nachkriegszeit präsentiert das LehmbruckMuseum eine einzigartige Sammlung moderner Skulptur. Ausgehend vom Werk Lehmbrucks begegnen sich hier Primitivismus und Kubismus, Abstraktion und Expressionismus, Konstruktivismus und Minimalismus – in Werken von Picasso, Barlach, Brancusi, Dali, Magritte, Beuys oder Serra. Zudem verfügt das Museum über Deutschlands bedeutendste Giacometti-Werkgruppe. Wegweisende Wechselausstellungen und Veranstaltungen sowie die überregional beachtete Kunstvermittlung ergänzen die Sammlung und machen das Haus zu einem Ort der Kommunikation zwischen Mensch und Kunst.

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