Reichtum: Schwarz ist Gold

REICHTUM: SCHWARZ IST GOLD                                  

Kunst & Kohle – Ein Ausstellungsprojekt der RuhrKunstMuseen

 

Der wertvolle Rohstoff Kohle ist Ursprung nicht nur des wirtschaftlichen und sozialen, sondern auch des kulturellen Wohlstands einer ganzen Region. Im Ruhrgebiet und auch in Duisburg hat die Kohlegewinnung einen wesentlichen Anteil am heutigen Reichtum der Kunstsammlungen der Museen.

 

Das Lehmbruck Museum setzt mit seiner Ausstellung „Reichtum. Schwarz ist Gold“ die Formel „Kohle bedeutet Reichtum“ in eine visuell erfahrbare Form um. Dies erfolgt nicht etwa sozialhistorisch plakativ, sondern unter ästhetischen Gesichtspunkten, welche auf die Entwicklung der zeitgenössischen Installation bezogen werden. So entdeckte eine ganze Künstlergeneration die Kohle mit ihrer Materialität und haptischen Erscheinung für sich. Mit ihrem tiefen Schwarz sowie der mattfetten, unruhigen Oberfläche findet sie sich gerade in den sechziger und siebziger Jahren als Material in der Kunst wieder. Gleichsam löste man sich damit vom traditionellen Konzept der Skulptur – Begriffe wie Antiform, Arte Povera oder Materialästhetik versuchten, die neuen Formen zu fassen.

 

Auf einer Fläche von etwa 800 Quadratmetern werden insgesamt 48 Arbeiten von 21 Künstlern aus Frankreich, Südafrika, den Vereinigten Staaten, Schottland, Italien, Belgien und Deutschland im Lehmbruck Museum ausgestellt.

 

Es entwickelten sich unterschiedlichste künstlerische Konzepte, um die Kohle unmittelbar erfahrbar zu machen (Richard Serra, Bernard Venet), den Gegensatz von Eleganz und Rohheit bei ihrer industriellen Verarbeitung aufzuzeigen (Reiner Ruthenbeck, Robert Smithson) oder sie in einen erzählerischen Kontext zu rücken (David Hammons, Marcel Broodthears). Andere banden die Kohle in utopische Konzepte ein (ZERO-Gruppe: Otto Piene, Heinz Mack, Günther Uecker) und reflektierten die gesellschaftlichen Umstände ihrer Gewinnung in kritisch-poetischer Form (William Kentridge).

 

Auf die Ästhetik früherer Werke reagieren mittlerweile auch Künstler der jüngeren Generation, wie Katinka Bock, Peter Buggenhout, Lara Favaretto, Alicja Kwade oder Lucy Skaer. Der „verborgene“ Reichtum der historischen Arbeiten ist zudem Ausgangspunkt von Auftragsarbeiten an Jürgen Stollhans, Kalin Lindena und Frauke Dannert.

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BETEILIGTE KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER  

BERND UND HILLA BECHER

*1931 in Siegen, †2007 in Rostock / *1934 in Potsdam, †2015 in Düsseldorf

 

Fotografien aus der Serie „Hochofenköpfe“, 1996

 

Bernd und Hilla Becher betrachteten mit künstlerischem Blick die Industriewerke als „Anonyme Skulpturen“ – der Titel ihres ersten Bildbandes – und unternahmen es, langjährig eine fotografische Typologie technischer Bauten des Ruhrgebiets und weiterer Regionen zu erstellen. Aus der Serie „Hochofenköpfe“ sind Aufnahmen von Hüttenwerken aus Duisburg und Gelsenkirchen, die zum Teil heute nicht mehr existieren. Bernd und Hilla Becher führten Robert Smithson 1968 zur Gutehoffnungshütte, sie hatten sie mehrmals mit ihren sachlich nüchternen Architekturaufnahmen dokumentiert. Im Vergleich von Bernd und Hilla Becher mit Robert Smithson werden die unterschiedlichen fotografischen Blicke auf die Zeugnisse der Industriekultur besonders deutlich.

 

Ausstellungen (Auswahl) 2012

Manifesta 9, International Foundation Manifesta, Amsterdam (Gruppenausstellung)

2008

Bernd und Hilla Becher: Landscape/ Typology, MOMA – Museum of Modern Art, New York

2004

Bernd und Hilla Becher – Retrospektive, Centre Pompidou, Paris

 

 

KATINKA BOCK

 

*1976 in Frankfurt am Main

lebt und arbeitet in Paris und Berlin

2002 – Studium der Freien Kunst und Bildhauerei an der Weißensee Kunsthochschule Berlin

2004 – Meisterschülerabsolventin bei Prof. Inge Mahn, Weißensee Kunsthochschule Berlin

2005 – Post-Diploma Art-Stipendium an der École nationale supérieure des beaux-arts de Lyon

 

Le Sol d’incertitude, 2006

 

Katinka Bock interessiert sich als Bildhauerin für skulpturale Phänomene wie Liegen, Schichten, Bedecken, Lagen, Lagern oder Verdecken. Sie beschränkt sich nicht auf die Ästhetik des Materials, sondern bezieht erzählerische Konnotationen ein, wie in „Le Sol d’incertitude“, einer Formation aus Pariser Pflastersteinen, die wie gewöhnlicher Belag mit Teer geschwärzt worden sind. Materialität und Herkunft des jedes Mal neu arrangierten Bodens - hartes Naturpflaster und mithilfe von Kohle produziertem Teer - treten gleichberechtigt neben die Erinnerung an die Bedeutung der Pflastersteine im Pariser Mai 1968. Charles de Gaulle ließ bekanntlich das Pflaster unter dem Asphalt verschwinden, damit es den revoltierenden Studenten nicht wieder als Wurfgeschosse diente.

Ausstellungen (Auswahl)

2014

Katinka Bock, For Your Eyes Only, Labor Gallery, Mexiko-Stadt

2008

Here We Dance, Tate Modern, London (Gruppenausstellung)

2003

Here we Come!, Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn (Gruppenausstellung)

 

Auszeichnungen (Auswahl)

2015

Visual Arts Grant at Fondación Botín, Santander, Spanien

2012

Prix de la Fondation d’entreprise Ricard, Paris

Dorothea von Stetten Kunstpreis

 

 

 

MARCEL BROODTHAERS

 

*1924 in Saint-Gilles, Brüssel, †1976 in Köln

1964 – Erste Objektkunst mit den Materialien Muscheln, Eierschalen, Kohle und Ziegeln

1967 – Film Le Corbeau et le Renard (d'après La Fontaine)

1969 – Gründung des (fiktive) Musée d'Art Moderne, Département des Aigles in Brüssel

 

Moules Oeufs Frites Pots Charbon Perroquets, 1966

Two Pieces of Coal wrapped in Cotton Wool, 1967

Catalogue-Catalogus, 1974

 

 

Marcel Broodthaers, Konzeptkünstler und Poet aus Belgien, wechselte spät von der Literatur in die Kunst. Sein künstlerisches Werk, das er nur innerhalb von 12 Jahren schuf, ist geprägt vom Nachdenken über die Logik des Sehens und Sprechens. Speziell das Verhältnis von Bild und Wort reflektieren viele seiner Skulpturen, Bilder, Filme, Künstlerbücher und Texte, in denen einfache Alltagsobjekte wie Muscheln, Töpfe, Eierschalen und Kohlestücke zum Motiv werden. Auch zwei mit Baumwolle bandagierte Eierkohlen oder der mit Resten verbrannter Kohle gefüllte Holzkasten spiegeln ein häusliches belgisches Milieu. „Modèle charbon“, eines seiner berühmten Schilder (Planches), stellte ein Bild-Text-Tafel (Rebus) vor, die mit Piktogrammen eine Botschaft verschlüsselt. Die Kohlestücken treten als die zu entschlüsselnden Symbole des Bilderrätsels auf.

Ausstellungen (Auswahl)

2016

Marcel Broodthaers Retrospective, Museum of Modern Art, New York (posthum)

1975

Marcel Broodthaers, Centre National d'Art et de Culture Georges Pompidou, Paris

1972

documenta 5, Kassel

 

 

 

PETER BUGGENHOUT

 

*1963 in Dendermonde, Belgien

lebt und arbeitet in Ghent, Belgien

 

The Blind Leading the Blind #31, 2009

 

Das Thema von Peter Buggenhouts Skulptur ist die Akkumulation von Unbeachtetem, Weggeworfenem, Verbrauchtem und ganz besonders von Staub. Kohlestaub ist allgegenwärtig  in jeder Kohlegrube, er haftet an jedem Gegenstand, bedeckt Wand und Boden, und lässt die Umgebung als weiche Masse erscheinen. Buggenhouts „The Blind leading the blind“, Teil einer umfassenden Serie, ist auf einem Stahltisch und hinter Glas platziert. Wie in einem Terrarium oder einer Vitrine präsentiert, wird die staubbedeckte und kaum beschreibbare Akkumulation zum Schauobjekt und zugleich in ihrer Künstlichkeit gesteigert

Ausstellungen (Auswahl)

2015

Streamlines, Deichtorhallen, Hamburg (Gruppenausstellung) 

2013

Peter Buggenhout. The Blind Leading The Blind, Palais de Tokyo, Paris 

2007

Peter Buggenhout. Individual presentation, new works acquired by the Flemish Community,   

S.M.A.K. Stedelijk Museum voor actuele Kunst, Gent

 

 

 

FRAUKE DANNERT

 

*1979 in Herdecke

lebt und arbeitet in Köln

2001-2004 – Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Münster

2004-2010 – Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf

2009-2011 – Master  of Fine Arts, Goldsmiths College, London

 

o. T., 2018

 

Ausgehend von einer panoramahaften Projektion, die das Balkenwerk eines Stollen oder einer Grube aufgreifen, hat Frauke Dannert eine theaterhafte Rauminstallation entwickelt, in der Licht- und Schattenspiel, ein Wandfresko und der zu Intarsien collagierte Fußbelag als begehbare Einheit erlebt werden können.

 

 

Ausstellungen (Auswahl)

2016

Frauke Dannert. Collage, Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf

2015

Viermal Neues Auf Papier, Sprengel Museum Hannover (Gruppenausstellung)

2011

Synecdoche, Bourouina Gallery, Berlin (Gruppenausstellung)

 

Auszeichnungen (Auswahl)

2014

Arbeitsstipendium Stiftung Kunstfonds, Bonn

2012

Audi Art Award (New Photography)

2010

Reisestipendium Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf

 

 

 

LARA FAVARETTO

 

*1973 in Treviso, Italien

lebt und arbeitet in Turin

1994-1998 – Studium  an der Accademia di Belle Arti di Brera, Mailand

Stipendium an der Kingston University in London

 

LF 15.012, 2015

LF 16.001, 2016

LF 16.006, 2016

 

Drei „Gold Tables“ von Lara Favaretto können eine visuelle Analogie zur Suche nach dem Grubengold bilden; sie hat antike wurmstichige Tische, Fundstücke, aufwändig behandelt. Die Insektengänge, die das Holz  –  wie die Stollen einer Zeche das Erdreich – durchziehen, sind mit Goldstaub aufgefüllt und verfestigen das Möbel. Vom wertvollen Metall sind jedoch nur die kleinen Verschlüsse erkennbar, die als Punkte golden in der alten Maserung aufscheinen. So sind geheimnisvolle Objekte entstanden, die das Graben nach dem wertvollen Bodenschatz als einen alchimistischen Prozess visualisieren.

 

Ausstellungen (Auswahl)

2017

Skulptur Projekte Münster

2012

Lara Favaretto. Just Knocked Out, MoMA, New York

2012

Documenta 13, Kassel

 

 

 

DAVID HAMMONS

 

*1943 in Springfield, Illinois

lebt und arbeitet in New York

1966-1968 – Studium am Chouinard Art Institute in Los Angeles

1968-1972 – Studium  am Otis College of Art and Design in Los Angeles

 

Chasing the Blue Train, 1989

 

David Hammons. In „Chasing the Blue Train“ von David Hammons durchfährt eine blau eingefärbte Miniatureisenbahn den Saal, in weiten Schienenschwüngen, die aufgestellte Pianodeckel umschweifen und einen Tunnel aus Kohlebrocken passieren. Die Besucher sind aufgefordert, sich um die Installation zu bewegen, dem Zug zu folgen und die unterschiedlichen Audioeindrücke sinnlich zu erfahren. Rhythmen des Bebop-Jazz aus aufgestellten CD-Playern füllen den Raum und verbinden sich mit dem Surren, Quietschen und Rattern der Spielzeugbahn. Jazz erfüllt den Raum: Aufnahmen der schwarzen Musiker Thelonius Monk und John Coltrane, auf dessen bekanntestes Album „Blue Train“ der Titel der Installation anspielt.

 

Ausstellungen (Auswahl)

2018

The Long Run, MoMA, New York (Gruppenausstellung)

2002

David Hammons, White Cube, London

2000

David Hammons, Museo Reina Maria Sofia, Madrid

 

Auszeichnungen

1991

MacArthur Fellowship

1991

Prix-de-Rome-Preis

 

 

 

WILLIAM KENTRIDGE

 

*1955 in Johannesburg

lebt und arbeitet in Johannesburg

1976 – Abschluss  in Politik und African Studies an der University of the Witwatersrand in Johannesburg

1976-1978 – Studium  der Kunst an der Johannesburg Art Foundation

1980er Jahre – Studium  Drama und Theater an der Ecole Jacques Lecoq in Paris

 

Mine, 1991

 

Der Animationsfilm „Mine“, 1991, von William Kentridge ist mithilfe von nur 18 Kohle- und Pastellzeichnungen entstanden, die der Künstler einzeln überarbeitete und fotografierte. Aus der Abfolge der radierten und variierten Blätter ergibt sich die filmische Handlung. Der mit Antonin Dvořáks Cellokonzert h-moll, Opus 104, unterlegte Film spiegelt in poetisch-phantastischer Form die Arbeitsbedingungen der schwarzen Bergleute in einer südafrikanischen Zeche. Die einzige weiße Person ist ein Bergwerksdirektor namens Soho Eckstein.

 

Ausstellungen (Auswahl)

2015

William Kentridge, National Museum of Contemporary Art, Seoul

2013

William Kentridge: Drawn from Africa, National Gallery of Australia, Canberra

2012, 2002, 1997

Documenta 10, 11 & 13

 

Auszeichnungen

2010

Kyoto Prize in Arts from the Inamori Foundation in Japan

2003

Goslarer Kaiserring

2000

Carnegie Prize from the Carnegie Museum of Art

 

 

 

ALICJA KWADE

 

*1979 in Kattowitz, Polen, geboren

lebt und arbeitet in Berlin

1999-2005 – Studium  der Bildhauerei an der Universität der Künste in Berlin

 

Lucy, 2004

Kohle (Union), 2008

 

Bei Alicja Kwade wird Kohle in Eleganz gekleidet und als Luxusartikel inszeniert, indem sie Briketts mit Blattgold ummantelt und wie Goldbarren aufstapelt.  „Coal (Union)“, eine der wenigen Arbeiten in der Ausstellung, die das Material Gold direkt sichtbar macht, verwendet Union-Briketts, die im Rheinischen Braunkohlerevier in der Kölner Bucht produziert werden. Solche zu Briketts gepresste Kohle diente generationenlang als bevorzugtes Brennmaterial zum heimischen Heizen und kann als nostalgische Reminiszenz an eine Epoche dienen, in der Klimawandel und Umweltschutz unbekannt waren. In Alicja Kwades Geburtsland, Polen, bildet Kohle weiterhin den wichtigsten Brennstoff; insofern symbolisch ist ein in Facetten geschliffenes Kohlestück, als ob es in eine Schmuckfassung aufgenommen werden soll. Wie ein Edelstein wird es unter gläserner Haube auf einem Sockel präsentiert.

 

Ausstellungen (Auswahl):

2017

Alicja Kwade, ReReason, YUZ Museum, Shanghai

2015

Alicja Kwade, Die bewegte Leere des Moments, Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main

2013                     

When Attitudes Became Form Become Attitudes, Museum of Contemporary Art Detroit (Gruppenausstellung)

Auszeichnungen

2015

Hector-Kunstpreis der Kunsthalle Mannheim

2010

Robert-Jacobsen-Preis

2008

Förderpreis zum Piepenbrock Preis für Skulptur

 

WILHELM LEHMBRUCK

 

*1881 in Meiderich/Duisburg, †1919 in Berlin

 

5 Studien zum sitzenden Bergmann, 1905/ 1906

Sitzender Bergmann mit Grubenlampe, 1905/ 1906

 

Das Relief „Sitzender Bergmann“ von Wilhelm Lehmbruck, das älteste Werk in der Ausstellung, entstand als Entwurf für das Grabmal des ehemaligen Bergwerksdirektors „Friedrich Hohendahl“ für den Friedhof Essen-Bredeney. Die Pose des alten Bergmanns mit Grubenlampe ist angelehnt an die des „Denkers“ von Auguste Rodin (1880-1892), der muskulös und verinnerlicht über das Tun und Schicksal der Menschen nachsinnt.

 

 

KALIN LINDENA

 

*1977 in Hannover geboren

lebt und arbeitet in Berlin und Karlsruhe

1997-2004 – Studium  an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

Seit 2014 Professorin für Malerei und Grafik an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Karlsruhe

 

Oberwindien 18-22, 2018

 

Kalin Lindena thematisiert den Blick von tief unten nach oben, indem sie Fahnen als Symbol und Medium der Gemeinschaftlichkeit über unseren Köpfen aufhängt. Fünf Flaggen, gefertigt aus schimmernd farbigem Glas, jeweils mit Pullovern oder Jacken behängt, erinnern an die Arbeitskleider der Bergleute, welche in den Weiß- und Schwarzkauen hoch unter die Decke gezogen werden.

 

Ausstellungen (Auswahl)

2015

Words aren’t the thing, Contemporary Art Centre, Vilnius (Gruppenausstellung)

2011

Kosmos Rudolf Steiner, Kunstmuseum Stuttgart (Gruppenausstellung)

2009

Kalin Lindena, 7 x 14, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

 

Auszeichnungen (Auswahl)

2011

Kunststiftung Erich-Hauser Preisträgerin

2009

Villa-Romana Preisträgerin

2007

Art Cologne Preis für junge Kunst, Köln

 

 

 

REINER RUTHENBECK

 

*1937 in Velbert, †2016 in Ratingen

Ab 1962 Tätigkeit als freiberuflicher Fotograf in Düsseldorf

1962-1968 – Studium  der Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf (bei Joseph Beuys)

1975-1976 – Gastdozent  an der Hochschule für bildende Künste Hamburg

1980-2000 – Professur  an der Kunstakademie Münster     

 

Aschehaufen IV (über Drahtknäuel), 1968

Doppelaschehaufen, 1968

Fünf verschiendene Aschehaufen, 1968-1971

Diverse Skizzen, undatiert

 

Reiner Ruthenbeck ist mit „Aschehaufen“ bekannt geworden, Bodenskulpturen, die als Bestandteil der Bewegung Arte Povera Bewegung Ende der sechziger Jahre international ausgestellt worden sind. Den künstlich angehäuften Kegelformationen aus Schlackegranulat, die verschiedenen Metalle durchdringen, eignet gesteigerte Künstlichkeit und Eleganz. Sie sind mit einer Auswahl von Ideenskizzen kombiniert, die zeigen können, wie fantasievoll der Künstler zeichnerisch Ideen um das Phänomen Haufen erprobte. Auch wenn er nicht alle weiterverfolgt hat, erlauben die Bildhauerzeichnungen es, den Künstler beim skulpturalen Denken zu erleben.

 

Ausstellungen (Auswahl)

2004

Reiner Ruthenbeck, Museum Folkwang, Essen

1987

Skulptur Projekte Münster

1971

Reiner Ruthenbeck, Stedelijk Museum, Amsterdam

 

Auszeichnungen (Auswahl)

2006    

Lehmbruckpreis der Stadt Duisburg

1992     

Arnold-Bode-Preis, Kassel

1987     

Will-Grohmann-Preis, Akademie der Künste, Berlin

 

 

 

EMIL SCHUMACHER

 

*1912 in Hagen, †1999 in San José, Ibiza

1931-1934 – Studium der freien Grafik an der Kunstgewerbeschule Dortmund

1934-1939 – freier Maler ohne Ausstellungsbeteiligung

Seit 1945 – Neubeginn als freier Künstler

 

Tastobjekt 57/12, 1957

 

Ein frühes Tast-Objekt des deutschen Malers Emil Schumacher, das die taktile Erfahrung ermöglichen soll, erweckt die Illusion schwarzer und staubbedeckter Oberflächen, wie sie uns in Bergwerken begegnen können. Seine materialmimetische Arbeitsweise, es handelt sich um behandelte Weichfaserplatten, konterkariert den Appell zur Berührung.

 

Ausstellungen (Auswahl)

 

1959, 1964, 1977

documenta

1955

Peintres et sculpteurs non-figuratifs en Allemagne d´aujourd-hui, Paris (Gruppenausstellung)

 

Auszeichnungen (Auswahl)

 

2009

Eröffnung des Emil Schumacher Museums in Hagen

1983

Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit Stern

1981

Pour le mérite für Wissenschaft und Künste

 

 

 

RICHARD SERRA

 

*1939 in San Francisco

lebt und arbeitet in New York und Nova Scotia, Kanada

1957-1961 – Studium  der Englischen Literatur an der University of California in Berkeley und Santa Barbara

1961-1964 – Studium  der Bildenden Kunst an der Yale University

 

Mic Mac (no. 1), 1990

Dead weight II (Coptic), 1991

 

Der Stahlbildhauer Richard Serra hat gigantische Zeichnungen in tiefstem Schwarz geschaffen, in denen Farbstoff und Papierträger eine dunkle Einheit eingehen. Das schwere Bütten ist mithilfe von  Ölfarbe in absolute Dunkelheit getaucht, dessen Oberfläche sich im Nahblick als unruhige Fraktur erkennbar gibt.

Ausstellungen (Auswahl)

2011

Richard Serra Drawing - A Retrospective, The Metropolitan Museum of Art, San Francisco Museum of Modern Art

2005

Richard Serra, Guggenheimmuseum, Bilbao

1983

Richard Serra, Centre National d'Art et de Culture Georges Pompidou, Paris

 

Auszeichnungen (Auswahl)

2010

Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Kunst

2002

Pour le Mérite

1996

Wahl zum Mitglied der Akademie der Künste

 

 

LUCY SKAER

 

*1975 in Cambridge

lebt und arbeitet in Glasgow und London

1993-1997 – Studium  der Kunst an der Glasgow School of Art

 

Black Alphabet, 2008

 

Lucy Skaer hat eine wegweisende Plastik des Bildhauers Constantin Brancusi „Vogel im Raum“ von 1908 nachgeformt, vervielfältigt und ihre Oberflächen mit Kohlematerial überzogen. 26 identische Exemplare bilden nun ein schwarzes Alphabet. Durch einfache Verfahren wie Multiplizieren und Vertauschen des Materials erreicht Skaer einen vollständigen Verfremdungseffekt für die ehemals hochmoderne und mittlerweile zum Klassiker der Kunstgeschichte gewordene Skulptur.

 

Ausstellungen (Auswahl)

2017

Lucy Skaer, Museo Tamayo, Mexico City

2016

Lucy Skaer, Witte de With Contemporary Art, Rotterdam

2004

Edge of the Real: a painting show, Whitechapel Art Gallery, London (Gruppenausstellung)

Auszeichnungen

2016

Paul Hamlyn Foundation Award

2016

Prix Canson (Nominierung)

2009

Turner Prize (Nominierung)

 

 

 

 

ROBERT SMITHSON

 

*1938 in Passaic, New Jersey, †1973 in Texas

1953 – Stipendium für die Art Students League in New York

1956 – Studium an der Brooklyn Museum School

 

Nonsite Oberhausen, 1968

 

Der Amerikaner Robert Smithson besichtigte im Dezember 1968 anlässlich seiner ersten deutschen Einzelausstellung eine Schlackekippe neben der Gutehoffnungshütte in Oberhausen. Zu dieser Zeit war bereits die Entscheidung gefallen, das traditionsreiche Eisen- und Stahlunternehmen in den heutigen Maschinenbaukonzern umzuwandeln. Er fotografierte die postindustrielle Landschaft und sammelte Schlackebrocken, die als Abfallprodukt bei der Eisen- und Stahlproduktion entstehen, um sie in die minimalistische Stahlbehälter der Installation „Nonsite Oberhausen“ einzufüllen.

Ausstellungen (Auswahl)

2016-2017          

The Poetics of Place: Contemporary Photographs from the Metropolitan Collection, Metropolitan Museum of Art, New York (Gruppenausstellung)

1984     

Robert Smithson, Louisiana Museum of Modern Art, Kopenhagen

1974-77               

Robert Smithson, San Francisco Museum of Art

 

 

 

JÜRGEN STOLLHANS

 

*1962 in Rheda/Westfalen

lebt und arbeitet in Köln

1983-1986 – Studium  der Malerei an der Kunstakademie Münster bei Prof. Norbert Tadeusz

1986-1989 – Studium  der Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Erich Reusch, Meisterschüler

 

…mit schlagartiger Schwerkraftentladung, 2018

 

In wandfüllender Originalgröße zeigt das Fresko „… mit schlagartiger Schwerkraftentladung“ einen jener Güterwaggons, die für den Transport abgebauter Kohle genutzt worden sind. Darauf hat Jürgen Stollhans mit weißer und schwarzer Kreide Motive aus der Geschichte des Bergbaus gezeichnet. Angeregt ist die monumentale Bild-Text-Collage durch das historische Foto eines Eisenbahnwagens, auf dem Bergleute mit Kreideschrift stolz die Förderung der 500.000sten Tonne Kohle anzeigen.

 

Ausstellungen (Auswahl)

2018

Jürgen Stollhans, Sleeping with Intent and Dreaming of a Life, Yellow Brick, Athen

2016

Wir nennen es Ludwig, Museum Ludwig, Köln (Gruppenausstellung)

2012     

Garden of Learning, Busan Biennale, Busan, Südkorea (Gruppenausstellung)

 

Auszeichnungen

2016

Konrad-von-Soest-Preis

 

 

BERNAR VENET

 

*1941 in Château-Arnoux, Frankreich

lebt und arbeitet in New York

1958 – Studium an der La Villa Thiole, Ecole Municipale d’Arts Plastiques (E.M.A.P.), Nizza

1959 – Bühnenbildner  an der Opéra de Nice, Nizza

1964 – Teilnehmer  am Salon comparaisons im Musée National d’Art Moderne, Paris

1966 – Entwicklung  des Ballett Graduation

1974 – Lehre  Kunst und Kunsttheorie an der Universität Sorbonne, Paris

 

Pile of Coal, ca. 1963/2018

 

Bernar Venet hat Anfang der sechziger Jahre eine einfache skulpturale Geste mit Kohlebrocken umgesetzt, welche er im Lehmbruck Museum rekonstruiert. Sechs Tonnen der berühmten Ibbenbürer Kohle, aufgeschüttet zu einem fettig schwarzglänzenden Haufen, scheinen die markanten Halden- oder Kippen des Ruhrgebiets in den Museumsraum zu holen. Die Anthrazitbrocken formen sich zur einheitlichen Masse und bilden eine artifizielle Silhouette vor dem Hintergrund der monumentalen Formate Serras.

Ausstellungen (Auswahl)

2017

Bernar Venet - Looking Forward: 1961-1984, Blain|Southern, London

2010

Bernar Venet, IVAM - Institut Valencià d'Art Modern, Valencia

1994

Museum für moderne Kunst, Bogota, Kolumbien

 

Auszeichnungen (Auswahl)

2005

Chevalier de la Légion d’Honneur

1996

Chevalier des Arts et Lettres

1989

Erhält den Grand Prix des Arts de la Ville de Paris

 

 

 

KÜNSTLERGRUPPE ZERO – HEINZ MACK, OTTO PIENE, GÜNTER UECKER

 

1958 – Gründung  durch Heinz Mack und Otto Piene,

1961 – Beitritt  Günter Ueckers

1966 – Auflösung   

2008 – Gründung  der ZERO-Foundation zwischen Heinz Mack, Otto Piene und Günter Uecker

 

Entwurfsskizze für ein ZERO-Haus, 1962

Modell ZERO-Haus, 1963-1997

Diverse Entwürfe, 1963/1999

 

Die Künstlergruppe ZERO (Heinz Mack, Otto Piene, Günter Uecker) (1958 – 1966) thematisierte in gemeinsamen Aktionen, Projekten und Ausstellungen, Phänomene wie Licht, Kinetik und Reinheit. 1962/1963 entwickelten sie die utopische Architektur eines Zero-Museums für Gelsenkirchen. Geplant war eine schwarzglänzende Kohlefassade für den würfelförmigen Bau, dessen Ausstellungsräume Kunstwerke der drei Künstler und von Yves Klein enthalten sollten. Die Materialwahl ist untypisch für die Künstlergruppe, deren puristische Ästhetik eher Licht, Helligkeit und Weiß favorisierte, und so als Reminiszenz an die Bergbautradition Gelsenkirchens zu verstehen. Ein Modell des ZERO-Museums, das Heinz Mack 1993 angefertigt hat, ist mit Entwurfsskizzen der drei Künstler aus der Entstehungszeit kombiniert.

Ausstellungen (Auswahl)

2014

ZERO – Countdown to tomorrow, Solomon R. Guggenheim Museum, New York

2007

Bastard Creature, Palais de Tokyo, Paris

2006

ZERO, Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf

 

FÖRDERER

Das Projekt „Kunst und Kohle“ wird von der RAG Stiftung, der Brost-Stiftung, dem Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Kunststiftung NRW gefördert.

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RAHMENPROGRAMM

Führungen

Kuratorenführung

„Reichtum: Schwarz ist Gold“

mit Dr. Michael Krajewski

 

Sonntag

6. Mai 2018

11:30 Uhr

Pay What You Want

„Reichtum: Schwarz ist Gold“

Themenführung mit Dr. Michael Krajewski

 

Freitag

1. Juni 2018

15 Uhr

Kunst & Kaffee

„Reichtum: Schwarz ist Gold“

-

Themenführung mit Dr. Michael Krajewski

Dienstag

19. Juni 2018

15 Uhr

-

Familienführung

„Reichtum: Schwarz ist Gold“

Sonntag

9. September 2018

11.30 Uhr

Sonderveranstaltungen

plastikBAR

Filmabend „La Germinal“

Stummfilmklassiker nach dem Roman von Emil Zola, untermalt mit musikalischer Performance

Im Rahmen von „Kunst & Kohle“ – ein Ausstellungsprojekt der RuhrKunstMuseen

Donnerstag

17. Mai 2018

19 Uhr

plastikBAR

Christoph Schläger: Bohrhammerkonzert

Presslufthämmer, Druckluftpfeifen und weitere Maschinen aus der Welt des Bergbaus erzeugen einen „Druckluft Klang-Kosmos“ auf dem Skulpturenhof.

Im Rahmen von „Kunst & Kohle“ – ein Ausstellungsprojekt der RuhrKunstMuseen

Donnerstag

21. Juni 2018

19 Uhr

plastikBAR

Ur-Ruhr

Musiktheatralische Performance

Gesang, Spiel und Tanz mit den THEAITETOS-TRIO

Im Rahmen von „Kunst & Kohle“ – Ein Ausstellungsprojekt der RuhrKunstMuseen

Donnerstag

5. Juli 2018

19 Uhr

Die im Schatten leben

Performance des ROTTSTR 5 Theaters

Performance basierend auf dem Drama „Die im Schatten leben“ von Emil Rosenow

Im Rahmen von „Kunst & Kohle“ – Ein Ausstellungsprojekt der RuhrKunstMuseen

Sonntag

8. Juli 2018

15 Uhr

 

Zwei Blickwinkel in einem Raum

Künstlerin Frauke Dannert im Gespräch mit Jürgen Dehm, Kurator am Künstlerhaus Halle für Kunst & Medien, Graz

Sonntag

15. Juli 2018

12 Uhr

plastikBAR

Jürgen Stollhans

Vortrag des Künstlers zu seinem Ausstellungsbeitrag

Donnerstag

19. Juli 2018

19 Uhr

Carbon

Eine kleine Weltreise der Kohle

Figurentheater für Erwachsene mit dem Dresdner Ensemble Cie. Freaks & Fremde

Im Rahmen von „Kunst & Kohle“ – Ein Ausstellungsprojekt der RuhrKunstMuseen

 Sonntag

12. August 2018

15 Uhr

 

Bustouren

 

Bustour „Schwarze Materie“

-          Ab Flottmann-Hallen Herne: „David Nash. Holz und Kohle“

-          Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr: Helga Griffiths, Die Essenz der Kohle

-          Lehmbruck Museum, Duisburg: Reichtum: Schwarz ist Gold

Sonntag

13. Mai 2018

11 Uhr

 

Bustour „Schwarzfahrt“

-          Ab Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum: Museum Unter Tage: „Schwarz“

-          Lehmbruck Museum, Duisburg: „Reichtum: Schwarz ist Gold“

-          MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg: „Hommage an Jannis Kounellis

Samstag

11 Uhr

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Über LehmbruckMuseum

In einem der reizvollsten Museumsbauten der Nachkriegszeit präsentiert das LehmbruckMuseum eine einzigartige Sammlung moderner Skulptur. Ausgehend vom Werk Lehmbrucks begegnen sich hier Primitivismus und Kubismus, Abstraktion und Expressionismus, Konstruktivismus und Minimalismus – in Werken von Picasso, Barlach, Brancusi, Dali, Magritte, Beuys oder Serra. Zudem verfügt das Museum über Deutschlands bedeutendste Giacometti-Werkgruppe. Wegweisende Wechselausstellungen und Veranstaltungen sowie die überregional beachtete Kunstvermittlung ergänzen die Sammlung und machen das Haus zu einem Ort der Kommunikation zwischen Mensch und Kunst.