Wilhelm Lehmbruck und Sally Falk

Ein Künstler und sein Mäzen

Ab 22. März 2018 im Lehmbruck Museum

 

Während des Ersten Weltkrieges lernte Wilhelm Lehmbruck 1915 den Mannheimer Textilfabrikanten und Kunstliebhaber Salomon (genannt Sally) Falk (1888-1962) kennen, der in den folgenden Jahren zu Lehmbrucks wichtigstem Mäzen wurde. Die Bekanntschaft entwickelte sich zu einer fruchtbaren Symbiose: Falk unterstützte den Bildhauer mit einer monatlichen Rente. Im Gegenzug durfte er sich in Lehmbrucks Atelier jährlich Werke für seine Kunstsammlung aussuchen und gab auch selbst Werke in Auftrag. 1916 vermittelte er Lehmbruck außerdem die erste und zu Lebzeiten größte Einzelausstellung in Deutschland, die  in der Mannheimer Kunsthalle stattfand. 1917 verfügte er mit knapp 100 Werken über die größte Lehmbruck-Sammlung weltweit.

 

Mit Exponaten aus dem ehemaligen Besitz von Sally Falk gibt die Ausstellung einen Einblick in Lehmbrucks Schaffensjahre während des Ersten Weltkrieges.

 

Über Sally Falk

Sally Falk wurde 1888 in Heilbronn geboren und zog mit der Familie Ende des 19. Jahrhunderts nach Mannheim. Der väterliche Betrieb für Baumwollstoffe wuchs im Zuge der Industrialisierung der Stadt und wurde zu einem florierenden Unternehmen. Nach dem Tod des Vaters 1914 übernahm Sally Falk gemeinsam mit seiner Mutter die Geschäftsführung und wurde 1916 alleiniger Inhaber. Mit seiner Frau Adele zog er in eines der vornehmsten Stadtviertel, und das große Wohnhaus wurde schnell mit Kunstwerken gefüllt. Dazu gehörten Gemälde u.a. von Cézanne, van Gogh, Munch, Gauguin, Kokoschka, Degas, Renoir, El Greco, Marc, Feininger, Chagall, Picasso, Boccioni und Grosz sowie Skulpturen von u.a. Kolbe, Barlach, Archipenko und vor allem Lehmbruck.  

Der Kunsthistoriker Paul Westheim bezeichnete die Sammlung 1918 als „eine klar und überzeugend orientierende Galerie des (…) Kunstschaffens der Zeit“ und „als Vorbild für eine neue Sammlergeneration.“*

 

Sally Falk wirkte auch als Mäzen. Für ein Jahr förderte er George Grosz, der diese Nähe nicht schätzte, und vor allem Wilhelm Lehmbruck, den er von 1915 bis zu dessen Tod 1919 unterstützte. Als Gegenleistung durfte Falk Werke aus der Werkstatt Lehmbrucks auswählen. Zu den Skulpturen,  die er in Auftrag gab, gehörten zwei Porträtbüsten des Ehepaars Falks, die als zentrale Werke expressionistischer Porträtplastik gelten.**

 

**Paul Westheim, Erinnerung an eine Sammlung, in: Das Kunstblatt, 2. Jg., Heft 8, 1918, S. 233

** Dietrich Schubert, Die Kunst Lehmbrucks, Worms 1981, S. 213

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George Grosz über Sally Falk

„Und eines Tages stellte mich Däubler einem Freund von sich vor, einem Großkaufmann (…). Herr Falk liebe die Kunst,  er habe dem Bildhauer Lehmbruck eine Rente ausgesetzt und  wolle auch mir monatlich unter die Arme greifen (…). Sally Falk hatte etwas völlig Orientalisches. Nicht nur im Gesichtsschnitt, sondern gegenüber seiner Frau. Er behandelte sie nämlich wie einen ganz seltenen Paradiesvogel und hielt sie buchstäblich in einem über und über vergoldeten Bauer.  (…) War er mit  ihr  zusammen, so versank alles um ihn, er hatte nur Augen und  Ohren für seine ‚Chérie‘.“

Sally Falk: „Wissen Sie, Grosz, Kunst macht mich nicht eifersüchtig. Das heißt, sagte er, einmal doch (…). Da zeigt mir ein Kunstfritze in Heidelberg einen Greco (…). Die Frau, die da drauf ist (…), ist meiner Frau frappant ähnlich! (…) Was soll ich Ihnen sagen? Ich war eifersüchtig. (…) Wissen Sie was ich gemacht habe? Den Greco gekauft (…) und nie wieder ausgepackt!“

Georg Grosz, Ein kleines Ja und ein großes Nein. Sein Leben von ihm selbst erzählt, Hamburg 1997, S. 107

 

Sally Falk über die Kunst

„Ich möchte zu den Tatsachen bemerken, daß ich meine Sammlung lediglich nach der Liebe, die ich zu den Gemälden und Kunstgegenständen habe, angelegt und daher nie eines Rates, der doch mehr oder weniger theoretisch wäre, gebraucht habe. Die Beurteilung eines Kunstwerkes von Seiten eines Kunstgelehrten ist meistens eine andere, als diejenige aus dem Impuls des Verehrers des Kunstwerks. (…) Wir Sammler müssen zu diesen Dingen ganz anders als Kunstgelehrte stehen, für uns zählt das Kunstwerk zu den größten Erlebnissen. Andererseits ist es selbstverständlich, daß Menschen, die sich um Kunstwerke bekümmern, sich gegenseitig über ihre Betrachtungen aussprechen, was aber noch nicht bedeutet, daß der eine der Lehrer des anderen sein soll. Über Kunstwerke gibt es wissenschaftliche Betrachtungen, aber kein Lernen. Es sind Dinge, die sich weniger mit dem Verstand als mit der Seele begreifen lassen.“

 

Salomon Falk in einem Brief an Georg Friedrich Hartlaub, Museumsdirektor in Mannheim, 9.4.1918, zitiert nach: Stiftung und Sammlung Sally Falk, Städtische Kunsthalle Mannheim, 1994, S. 18

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Über LehmbruckMuseum

In einem der reizvollsten Museumsbauten der Nachkriegszeit präsentiert das LehmbruckMuseum eine einzigartige Sammlung moderner Skulptur. Ausgehend vom Werk Lehmbrucks begegnen sich hier Primitivismus und Kubismus, Abstraktion und Expressionismus, Konstruktivismus und Minimalismus – in Werken von Picasso, Barlach, Brancusi, Dali, Magritte, Beuys oder Serra. Zudem verfügt das Museum über Deutschlands bedeutendste Giacometti-Werkgruppe. Wegweisende Wechselausstellungen und Veranstaltungen sowie die überregional beachtete Kunstvermittlung ergänzen die Sammlung und machen das Haus zu einem Ort der Kommunikation zwischen Mensch und Kunst.