Jiří Tichý

Laufzeit: 29. Februar bis 26. Juli 2020

Pressekonferenz: Donnerstag, 27. Februar, 11 Uhr

Eröffnung: Samstag, 29. Februar, 16 Uhr

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Sammlungspräsentation

Jiří Tichýs gewebte Fantasien sind bildgewaltig und überwältigend in ihrer Monumentalität. Der tschechische Künstler hat seine Werke nicht am Stück gewebt, sondern in verschiedenen Partien, die er schließlich zusammenfügte. Dafür arbeitete er an einem eigens konstruierten Hochwebstuhl oft Monate, manchmal sogar Jahre lang an einem einzelnen Werk. Die Resultate sind nicht Tapisserien im herkömmlichen Sinne, denn sie geben Flächigkeit und Rechtwinkligkeit auf. Oft sind sie kaum mehr als ein loser Zusammenhang eines Gewebes, von Lücken und Löchern durchsetzt, mit eingearbeiteten Fundstücken versehen. Sie formen sich zu spielerischen Konturen mit reliefhaften, plastischen Oberflächen, die Tichý ausdrucksstark strukturiert und rhythmisiert hat.

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Tichýs Arbeiten verbinden traditionelle Volkskunst und mythologische Motive. Sein Werk entstand dabei immer auch im Austausch mit den künstlerischen Bewegungen seiner Zeit, so sind seine Arbeiten geprägt von der Farbigkeit und Ausdruckskraft des Expressionismus und der Mehrdeutigkeit und Widersprüchlichkeit surrealistischer Kunst. Jiří Tichýs Werke sind figürlich, abstrakt und ornamental zugleich.  

 

Im Zentrum der Ausstellung im Lehmbruck Museum stehen einige jener monumentalen Arbeiten, die Tichý im sogenannten Lebenszyklus zusammenfasste. Dieser nachträglichen Gruppierung von Arbeiten maß der Künstler innerhalb seines Gesamtwerks besondere Bedeutung zu. Die Titel seiner Werke – Hommage an Apollinaire (1970/71), Hommage an Shakespeare (1972), Schiff der Hoffnung (1967/68) und Geschichten auf einigen Tüten (1969) – veranschaulichen Tichýs starke Verbindung zu Poesie, Theater und Literatur.

 

Die Ausstellung ist mit freundlicher Förderung von Herrn Dr. Otmar Franz entstanden.

Der Künstler

Jiří Tichý, geboren 1924 im südböhmischen Ort České Velenice, zählt zu den Gründervätern der Neuen Textilkunst der 1960er Jahre, die die Entwicklung dieser Kunstbewegung von Beginn an maßgeblich geprägt haben. Mitte der 1950er Jahre beginnt Tichý als freischaffender Künstler zu arbeiten und realisiert seine Tapisserieentwürfe seit 1959 an einem eigens konstruierten Webstuhl. Ab diesem Zeitpunkt rücken die textilen Arbeiten ins Zentrum seiner künstlerischen Tätigkeit. Darüber hinaus umfasst sein vielseitiges Werk auch experimentelle Serien in Form von Frottagen, Foto- und Textilcollagen, Assemblagen, Objekten und Skulpturen. Anlässlich seines 80. Geburtstages findet im Lehmbruck Museum 2004 eine große Werkschau statt. 2013 verstirbt Tichý in České Budějovice im Alter von 89 Jahren. In seinem mehr als vier Jahrzehnte umspannenden Werk hat er über 200 Tapisserien entworfen und selbst gewebt. Jiří Tichý ist in öffentlichen und privaten Institutionen und Sammlungen in mehreren Ländern Europas, in Japan und Indien, in Kanada und in den Vereinigten Staaten von Amerika vertreten.

Einzelausstellungen (Auswahl)

1957 Haus der Kunst, České Budějovice; 1967 Museum der Tapisserie, Jindřichův Hradec; 1969 Museum am Dom, Lübeck; 1970 Kunsthalle Bielefeld; 1974 Kunstgewerbemuseum Prag, Abteilung Jindřichův Hradec; 1980 Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen; 1983 Museum Ludwig, Grafisches Kabinett, Köln; 1985 Neue Galerie, Wien; 1987 Association France, Paris; 2004 Lehmbruck Museum, Duisburg

Abbildungen zur Ausstellung

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Über LehmbruckMuseum

Das mitten in Duisburg gelegene Lehmbruck Museum ist ein Museum für Skulptur. Seine Sammlung moderner Plastiken von Künstlern wie Alberto Giacometti, Pablo Picasso, Hans Arp und natürlich Wilhelm Lehmbruck ist europaweit einzigartig. Beheimatet ist das Museum in einem eindrucksvollen Museumsbau inmitten eines Skulpturenparks, der zum Schlendern und Entdecken einlädt.

Namensgeber des Hauses ist der Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der 1881 in Meiderich, heute ein Stadtteil von Duisburg, geboren wurde. Lehmbruck ist einer der bedeutendsten Bildhauer der Klassischen Moderne. Er hat mit seinem Werk maßgeblichen Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen und ist auch nach seinem frühen Freitod im Jahr 1919 bis heute einflussreich geblieben.