Sculpture 21st: Danica Dakić

MISSING SCULPTURE

26. Januar bis 19. März 2017

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Abb.: Danica Dakić, CASSANDRA, Fotoedition, Art Inkjet Print, 28 x 42 cm, 2017, © Danica Dakić, VG Bild-Kunst Bonn

Abb.: Danica Dakić, MISSING SCULPTURE, Aufbau der

Installation, 2017, (c) Danica Dakić / VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Egbert Trogemann

Was ist Skulptur? Dieser elementarsten Frage der Bildhauerei widmet sich die international renommierte Künstlerin Danica Dakić (*1962, Sarajevo). Für das Lehmbruck Museum entstand im Rahmen der Ausstellungsreihe „Sculpture 21st“ ihr neuesten Projekt MISSING SCULPTURE. Auf der Suche nach einer (verlorenen) Skulptur der Zukunft trägt sie das Erbe der namhaften Künstler Wilhelm Lehmbruck und Joseph Beuys in dem partizipativ angelegten Projekt weiter.

 

In Zusammenarbeit mit dem Fotografen und Kameramann Egbert Trogemann, dem Komponisten Bojan Vuletić, Künstlergästen, Sybille Kastner aus der Kunstvermittlung des Lehmbruck Museums und Menschen aus Duisburg entstand eine komplexe Installation aus Soundcollage und Bodenzeichnung.

Das Projekt beruht auf einer umfangreichen Recherchephase im Lehmbruck-Archiv sowie auf Begegnungen mit Duisburgerinnen und Duisburgern aus grundverschiedenen Zusammenhängen, die von ihrem Leben und ihrer Verbindung zum Museum sprechen. In der Klanginstallation werden diese sprechenden und singenden Stimmen der teilnehmenden Menschen aus Duisburg mit von einer professionellen Sprecherstimme zu Gehör gebrachten Zitaten aus Briefen Wilhelm Lehmbrucks zu einem offenen, intuitiven Narrativ verbunden. Die Berichte der persönlichen Wege und einschneidenden Erfahrungen artikulieren in der Komposition die Tragik der Existenz ebenso wie höchst individuelle Zugänge zur Kunst.

 

Zugleich wird mit der Bodenzeichnung das Vermächtnis Joseph Beuys‘ aufgegriffen. In der Mitte des 20. Jahrhunderts brachte er mit seiner Idee der sozialen Skulptur die althergebrachten Vorstellungen von Skulptur ins Wanken. In seiner Dankesrede zur Verleihung des Wilhelm-Lehmbruck-Preises 1986 sagte er: „Alles ist Skulptur.“

Für MISSING SCULPTURE sind in einem zeitaufwendigen Prozess Fragmente aus dieser letzten Rede von Joseph Beuys als Schrift aus mehreren Schichten von Knochenleim und Pigmenten auf den Boden der Glashalle des Lehmbruck Museums aufgetragen worden. Fragil und vergänglich verwickelt die labyrinthische Spur die Besucherinnen und Besucher in die Frage nach der Skulptur der Zukunft.

 

„Ich sehe die Arbeit in einer Generationenfolge. Es geht darum, wie sich das Konzept der (sozialen) Skulptur im 21. Jahrhundert weiterdenken lässt. Es ist mir darum auch wichtig, junge Künstlerinnen und Künstler in das Projekt einzubeziehen“, erläutert Danica Dakić.

 

Duisburgs Kulturdezernent Thomas Krützberg zeigt sich beeindruckt von der Komplexität des Werkes: „Der Bogen von Wilhelm Lehmbruck über Joseph Beuys bis zu den beteiligten Künstlern, die an der Installation mitgearbeitet haben, verleiht dem Werk eine besondere Tiefe.  Es ist spannend, das Zusammenwirken der verschiedenen Ebenen und Medien zu erleben.“

 

Museumsdirektorin Dr. Söke Dinkla freut sich über die erste Neuproduktion in der Reihe Sculpture 21st: "Es ist für mich ein besonderer Höhepunkt, dass Danica Dakić diese Arbeit für das Museum geschaffen hat. MISSING SCULPTURE gibt Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen unserer Gesellschaft, die ein besonderes Verhältnis zur Kunst haben, einen Platz in unserem Museum. Die Arbeit repräsentiert nicht nur die Ideen der Künstlerin, sondern gibt den Menschen eine Stimme. Auf diese Weise kann es gelingen, das bedeutende Erbe des Museums in die Zukunft zu tragen - eine der wichtigsten Aufgaben unseres Hauses.“

 

Zwischen Materiellem und Immateriellem, zwischen Stimme und Schrift, zwischen den Spuren am Boden und den Klangwegen im Raum lädt MISSING SCULPTURE die Besucherinnen und Besucher ein, individuelle Wege durch den Raum zu finden. Auf der Suche nach der Verbindung zwischen Kunst, Geschichte und Leben ist MISSING SCULPTURE ein beeindruckendes und bewegendes Kunstwerk, das die Glashalle des Lehmbruck Museums selbst zu einem Sozialraum radikaler Präsenz werden lässt.

 

Die Bodenzeichnung wurde mit Unterstützung von Natsumi Sugiyama als Gastkünstlerin realisiert. Eine eigens zu MISSING SCULPTURE entwickelte Performance von dem Gastkünstler Vasili Macharadze wird im Rahmen eines Künstlergesprächs am 2. März 2017 im Lehmbruck Museum aufgeführt.

Gefördert durch das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend,Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und den Landschaftsverband Rheinland

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Abb.: Danica Dakić , MISSING SCULPTURE, Installation, 2017, Grafische Umsetzung: Natsumi Sugiyama, © Danica Dakić / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

ANGABEN ZUM WERK

 

MISSING SCULPTURE, 2017,

siebenkanalige Soundinstallation / Bodenzeichnung: Knochenleim, Kreidepigmente

Die Bodenzeichnung verwendet Zitate aus der Dankesrede von Joseph Beuys, die er am 12. Januar 1986 im Lehmbruck Museum gehalten hat. Publiziert in: Brockhaus, Christoph (Hrsg.): Wilhelm Lehmbruck Preis Duisburg 1966-1996. Ostfildern-Ruit 1997.

Über die Künstlerin

In unterschiedlichen Medien arbeitet Danica Dakić mit performativen und partizipativen Prozessen, um kulturelles Gedächtnis und Identität, Sprache sowie (Kunst)Geschichte in ihrer ständigen Veränderung zu befragen. Ihre Projekte basieren auf oft langdauernden Produktionsprozessen und einer intensiven Zusammenarbeit mit den Akteuren, die ihnen eine eigene, zugleich allegorische und transitorische Rolle im gegenwärtigen „Theatrum Mundi“ ermöglicht und stereotype Zuschreibungen verschiebt.

 

Mit ihren künstlerischen Arbeiten, die sie oft in Zusammenarbeit mit dem Fotografen und Kameramann Egbert Trogemann realisiert, schafft Danica Dakić Bühnen, auf denen sich jenseits politischer, sozialer oder ökonomischer Festschreibungen eigene, individuelle Narrationen entwickeln lassen. Die Bedeutung des Partikularen im Lokalen gegenüber dem Universalen der Globalisierung, die Vielstimmigkeit der oralen Überlieferung und des geschriebenen Wortes, die Erzählung als identitätsstiftendes Moment, die Kraft der Stimme, des Geräuschs, der Musik – mit all diesen Aspekten arbeitet die Künstlerin, um die Schönheit der menschlichen Existenz zu erkunden.

 

Danica Dakić (* 1962 in Sarajevo) studierte an der Akademie der Künste in Sarajevo, der Akademie der Künste in Belgrad und der Kunstakademie in Düsseldorf. Seit 1988 lebt und arbeitet sie in Düsseldorf. Seit 2011 ist sie Professorin an der Bauhaus-Universität Weimar, wo sie den internationalen Masterstudeingang "Public Art and New Artistic Strategies" leitet.

 

Ausstellungen (Auswahl)

 

Dakić hat an zahlreichen Gruppenausstellungen teilgenommen, darunter documenta 12 (2007), Istanbul Biennial (2003 und 2009), Biennale of Sydney (2010), Liverpool Biennial (2010), Kiev Biennale (2012), Marseille-Provence / European Capital of Culture (2013), São Paulo Biennial (2014) und Cuenca Biennial (2016/2017). Die Einzelausstellungen fanden u.a. statt im Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main (2013), im Turku Art Museum (2012), im Hammer Museum, Los Angeles (2011), im Museum of Contemporary Art, Zagreb (2010), der Generali Foundation, Wien (2010), und in der Kunsthalle Düsseldorf (2009).

 

Zu den öffentlichen Sammlungen, in denen Dakićs Arbeiten vertreten sind, zählen das Centre Pompidou, Paris, die Generali Foundation, Wien, das Museu d’Art Contemporani in Barcelona, das Musée d'Art Contemporain in Bordeaux, die Museumslandschaft Hessen Kassel, das Nouveau Musée National de Monaco, der Landtag des Landes NRW in Düsseldorf und die Nationalgalerie von Bosnien-Herzegowina in Sarajevo.

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 Abb.: Danica Dakić , MISSING SCULPTURE, Aufbau der

Installation, 2017, (c) Danica Dakić / VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Egbert Trogemann

Beteiligte Künstler

Egbert Trogemann ist seit 1986 als Fotograf in Düsseldorf tätig. Er versteht sich als Chronist. Sein fotografischer Blick sucht nach Schauplätzen, an denen die Grenzen von Dokumentation und Fiktion verschwimmen. Seit 1997 ist er als Fotograf und Kameramann an künstlerischen Produktionen u. a. von Danica Dakić und Sanja Iveković beteiligt.  2007 war er offizieller künstlerischer Fotograf der documenta 12. Seit 1999 fotografiert Egbert Trogemann das Studiopublikum von Fernsehshows in Deutschland und im Ausland. Sein groß angelegtes, fortlaufendes Projekt „Audience“ offenbart verborgene Seiten der massenmedialen Welt des Fernsehens. Die bereits über 100 Bilder umfassende Serie wurde in einer umfassenden monografischen Ausstellung in den Kunstsammlungen der Ruhruniversität Bochum präsentiert (2014), begleitet von einer Publikation, die bei Hatje Cantz erschien. Bilder aus dem Projekt „Audience“ wurden auch in Ausstellungen in Sarajevo (1999), Rotterdam (2002), New York (2003), Burgdorf (2004), Ismaning (2004), Belgrad (2008) und Bremen (2013) gezeigt.

 

 

 

Bojan Vuletić ist Komponist, Klangkünstler und Gitarrist. Nach seinem Diplom in Astro-Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München absolvierte er Studien für Jazzgitarre an der Hogeschool voor de Kunsten in Arnhem und Komposition an der Messiaen Akademie in den Niederlanden. Als Klangkünstler hat er eine Vielzahl von Kunstinstallationen gestaltet. Seine kompositorischen Arbeiten reichen von Kammer-, Orchester- und zeitgenössischer Musik in unterschiedlichen Formen und Besetzungen bis hin zu Weltmusik für eine Vielzahl von        Ensembles und Projekte, Theaterproduktionen, zeitgenössischen Tanzperformances, Kunst- und Dokumentarfilmen.

 

Als Gitarrist bewegt er sich zwischen den unterschiedlichsten Genres und freier Improvisation. Bojan Vuletić ist Förderpreisträger 2012 der Stadt Düsseldorf und leitet gemeinsam mit Christof Seeger-Zurmühlen das von ihnen gegründete Düsseldorfer ASPHALT Festival. Zur Zeit übernimmt er als Gastwissenschaftler die Vertretung der Professur von Danica Dakić im Master-Studiengang Kunst im öffentlichen Raum und neue künstlerische Strategien an der BAUHAUS-Universität Weimar.

 

 

WEITERE PROJEKTTEILNEHMER

Sybille Kastner (Lehmbruck Museum, Kunstvermittlung) & Teilnehmer aus Duisburg: Raed Alnafra, Jörn Böversen, Diana Ghaznawi, Viktoria von Grone, Jawhar Ibrahim, Desajewa Marku, Muhammad Shekee, Cassandra Spittmann

Natsumi Sugiyama, Vasili Macharadze (Künstlergäste), Philipp Alfons Heitmann (Schauspieler)

Marco Hugo Schretter (Technische Realisierung)

 

TERMINE

Donnerstag, 26. Januar 2017, 19 Uhr

Sculpture 21st: Danica Dakić – MISSING SCULPTURE

Ausstellungseröffnung

Eintritt frei!

Donnerstag, 2. März 2017

Künstlergespräch mit Danica Dakić mit einer Performance von Vasili Macharadze Eintritt 9 €, erm. 5 €

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Alle Fotos sind urheberrechtlich geschützt und nur zur Berichterstattung über die Ausstellung freigegeben. Wir bitten um vollständige Nennung des Bildnachweises.

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Über LehmbruckMuseum

In einem der reizvollsten Museumsbauten der Nachkriegszeit präsentiert das LehmbruckMuseum eine einzigartige Sammlung moderner Skulptur. Ausgehend vom Werk Lehmbrucks begegnen sich hier Primitivismus und Kubismus, Abstraktion und Expressionismus, Konstruktivismus und Minimalismus – in Werken von Picasso, Barlach, Brancusi, Dali, Magritte, Beuys oder Serra. Zudem verfügt das Museum über Deutschlands bedeutendste Giacometti-Werkgruppe. Wegweisende Wechselausstellungen und Veranstaltungen sowie die überregional beachtete Kunstvermittlung ergänzen die Sammlung und machen das Haus zu einem Ort der Kommunikation zwischen Mensch und Kunst.