Ausstellungsprogramm 2016 Lehmbruck Museum

26 JANUAR 2016, LEHMBRUCK MUSEUM, DUISBURG
Zusammenfassung
Auch im Jahr 2016 haben wir wieder ein umfangreiches Ausstellungsprogramm

27. FEBRAUR BIS 5. JUNI 2016

Liquid Identities – Lynn Hershman Leeson

Identitäten im 21. Jahrhundert

Eröffnung: 27. Februar, 16 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin

Großer Wechselausstellungsraum im Neubau

Lynn Hershman Leeson ist eine der international einflussreichsten Medienkünstlerinnen. Seit 2013 ist eine repräsentative Werkgruppe Teil der Sammlung des Museum of Modern Art in New York. In der Ausstellung „Liquid Identities“ tritt ihr Werkkosmos erstmals in Wechselbeziehungen zu Arbeiten von Cindy Sherman, Sophie Calle, Laurie Simmons, Mike Kelley und Paul Thek, die sich in ihrem Werk mit dem Thema der sich in Bewegung befindlichen Identitäten beschäftigen. Auch auf die jüngere Künstlergeneration hat das Werk Hershman Leesons eine nachhaltige Wirkung, wie ausgewählte Arbeiten von Aram Bartholl und Sidsel Meineche Hansen zeigen.

Bereits in ihren ersten Skulpturen, Installationen und Per-formances beschäftigt sich Hershman Leeson mit Themen der Identitätspolitik. Neue Kommunikationswege im Internet geben uns die Möglichkeit selbst geschaffene Identitäten anzunehmen, die Alternativen zu unserer „wirklichen“ Identität sind. Was ist wirklich, was fiktiv und was macht unsere Identität heute aus?

Die Ausstellung „Liquid Identities“ gibt einen umfassenden Einblick in das Werk von Lynn Hershman Leeson und präsentiert ihre wegweisenden Werke der letzten fünfzig Jahre: Von Skulpturen, Fotografien und Rauminstallationen bis hin zu interaktiven und netzbasierten Arbeiten zeigt die Ausstellung, wie sich unsere Vorstellung von Identität auch unter dem Einfluss der Biotechnologien verändert.

Das Lehmbruck Museum präsentierte bereits 1997 Lynn Hershman Leesons frühes Schlüsselwerk „Lorna“ (1979-84) in der ersten musealen Ausstellung interaktiver, digitaler Kunst „InterAct!“. Eine der bedeutendsten interaktiven Installationen der Künstlerin „Room of One’s Own (1993) ist seit dem Jahr 2000 Teil der Sammlung des Lehmbruck Museums. Damit übernimmt das Duisburger Museum eine Pionierrolle in der Ausstellung und Bewahrung digitaler Kunst.

Die Ausstellung „Liquid Identities. Lynn Hershman Leeson“ entsteht im Rahmen einer Kooperation, basierend auf der Ausstellung „Lynn Hershman Leeson. Civic Radar“ – eine Produktion des ZKM |Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe.

Gefördert durch die Kunststiftung NRW, das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen und die Sparkasse Duisburg


27. FEBRUAR BIS 5. JUNI 2016

Jakub Nepraš. State of Flux

Eine Präsentation im Rahmen der 37. Duisburger Akzente

Eröffnung: 27. Februar, 16 Uhr in Anwesenheit des Künstlers

Dreiecksraum m Neubau

Jakub Nepraš (*1981 in Prag) gilt als einer der bemerkenswertesten, aufstrebenden tschechischen Medienkünstler. Er repräsentiert eine Generation junger Künstler, die die Vielseitigkeit der Neuen Medien und audiovisuellen Technologien nutzen.

Im Rahmen der 37. Akzente inszeniert er seine außergewöhnlichen Videoskulpturen „Landscape“ und „Ayahuasca“ im Lehmbruck Museum. Gelesen als Metaphern für den lebendigen Kulturtransfer eines Hafens, wird dabei das Naturelement Wasser mit moderner Technologie in Einklang gebracht.

Der Fluss der Bildfolgen in Nepraš‘ Werken zeigt die Vielfalt unserer Gesellschaft und beleuchtet den Hafen als pulsierenden Ort der Zusammenkunft, der auch im Zentrum der diesjährigen Duisburger Akzente steht. Anlass dafür ist der 300. Geburtstag des Hafens in Duisburg. Zugleich ist der „Hafen“ ein Bild und eine Metapher für unterschiedliche menschliche Daseinszustände. Er kann Ankerplatz für Menschen und Güter sein, ein Ort des Transits und eine Zwischenstation auf einer längeren Reise.


17. MÄRZ BIS 16. MAI 2016

Sculpture 21st: Johannes Brus

Probe zu: Tanzen für Brâncuși

In Kooperation mit dem Museum DKM

Eröffnung: 17. März, 19 Uhr in Anwesenheit des Künstlers

Nördliche Glashalle

In der Reihe „Sculpture 21st“ zeigt Johannes Brus (*1942, lebt in Essen) seine neueste Skulpturengruppe „Probe zu: Tanzen für Brâncuși“, die im Lehmbruck Museum zum ersten Mal öffentlich präsentiert wird. Entstanden aus seiner langjährigen Auseinandersetzung mit Constantin Brâncuși, einem der wichtigsten Bildhauer der Moderne, finden Brus‘ Tänzerinnen in der Glashalle einen idealen Aufstellungsort: Geistiges Zentrum der Installation ist Constantin Brâncușis „La Negresse Blonde“ (1927) aus der Sammlung des Lehmbruck Museums. Die Skulpturen treten dabei in einen künstlerischen Dialog und stellen die Diskussion um Figur und Abstraktion, Tradition und Avantgarde auf den Prüfstand.

Während Brâncuși in der Abstraktion den Weg zur vollendeten Form suchte, über-führt Brus die ideale Form wieder in eine Figur. Mit diesem figurativen Ansatz nimmt der Künstler in der Geschichte der Bildhauerei eine Sonderposition ein. In den 1980er Jahren, der Zeit des Mini-malismus, hält Brus an der figurativen Darstellung fest und entwickelt seinen eigenen Stil.So entstehen eigenwillige Skulpturen, die heute erneut an Aktualität gewinnen. Brus Arbeiten zeugen von einem respektvollen Umgang mit dem „Meister“ Brâncuși und sind als ehrliche Hommage zu verstehen.



9. JUNI BIS 3. OKTOBER 2016

Sculpture 21st: Jeppe Hein

Eröffnung: 9. Juni, 19 Uhr

Nördliche Glashalle

Der dänische Künstler Jeppe Hein (*1974) gilt als Pionier eines neuen, spielerischen Begriffs zeitgenössischer Skulptur. Die große Glashalle des Museums scheint wie geschaffen für sein Werk, in dem Inneres und Äußeres, körperliche und mentale Zustände Verbindungen miteinander eingehen. Jeppe Heins raumgreifenden Arbeiten beziehen die Besucher in besonderer Weise mit ein: Interaktionen, Schwingungen und Spiegelungen bieten Raum für Resonanzen und im übertragenen Sinn für Erlebnisse, die soziale Situationen erst entstehen lassen.

Im Rahmen von „Sculpture 21st“ entwirft Jeppe Hein eine Raumarbeit, die der „Bodenhaftung“ entgegenwirkt und die Höhe des Raumes zelebriert. In seinen jüngsten Werken gibt er dem kunsthistorischen Topos des Spiegels eine neue Wendung. Sie bestechen durch konzeptuelle Präzision; zugleich sind sie zugänglich und bieten Wahrnehmungsangebote für Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsbereiche und Kulturen. An der Schnittstelle zwischen Museum und Stadtraum kann so ein anderes „Bild“ des Museums entstehen, dass die Menschen dazu verführt, sein Inneres zu erkunden.



2. JULI BIS 23. OKTOBER 2016

„An der Oberfläche_On Surface. Von Rodin bis de Bruyckere.

Die Oberfläche als Bedeutungsträger in der Skulptur“

Eröffnung: 2. Juli, 16 Uhr

Großer Wechselausstellungsraum im Neubau

Oberflächen bestimmen unsere Umgebung und unser Verhalten in der Welt der Dinge. Sie aktivieren unser visuelles Gedächtnis und unsere taktilen Sinne. Sie sind es, die unser Vorstellungsvermögen und unsere Erfahrungsspeicher ansprechen, Emotionen wecken und einen Prozess der Bedeutungs-generierung in Gang setzen. Seit der Überlieferung erster Zeichnungen und Höhlenmalereien sind die Oberflächen Träger von Botschaften, in denen sich die Werte einer Kultur vermitteln. In der künst-lerischen Gattung der Skulptur ist die Oberfläche einer der zentralen Bedeutungsträger des Werkes. Oberflächen, ihre Beschaffenheit und Materialien sind aufgeladen mit unterschiedlichen Konno-tationen, an ihnen entzünden sich nicht nur ästhetische Debatten, sondern sie vermitteln die repräsentativen Ansprüche des Werks.

Für die Skulptur des 20. und 21. Jahrhunderts betreten wir mit der Ausstellung weitgehend Neuland. Inspiriert ist die Ausstellung von der allgegenwärtigen Präsenz der Oberflächen digitaler Geräte, von der Ästhetik der Glätte und dem Wunsch, die Oberfläche zu durchdringen. Der Titel spielt mit unter-schiedlichen Assoziationen des Begriffes Oberfläche: Neben der Oberfläche eines Kunstwerks als eine seiner wesentlichen Qualitäten, schwingt eine zweite Lesart im Titel mit: die des Oberflächlichen. Das Oberflächliche ist das unmittelbar Erfassbare, der erste Eindruck, der in der Erinnerung haften bleibt. Für Medardo Rosso, den „Bildhauer des Lichts“ ist der erste Blick das Entscheidende: „Der erste Eindruck ist grundsätzlich verschieden von dem, wenn das vom Beobachten müde Auge ausruht.“ (Vom Impressionismus in der Skulptur).

Die Ausstellung zeigt anhand von ausgewählten Werkbeispielen wegweisender Bildhauer des 20. Jahrhunderts wie Medardo Rosso, Auguste Rodin, Constantin Brancusi und Wilhelm Lehmbruck, die Bedeutung die Oberfläche in der Skulptur des 21. Jahrhunderts mit Werken von Georg Baselitz, Rebecca Horn, Berlinde de Bruyckere, Carsten Nicolai, Janet Cardiff / George Bures Miller, Julian Opie, Evan Roth, Daniel Canogar, Michael v. Kaler, Stella Hamberg u.a.

Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung wird die vollplastische „Eva“ von Auguste Rodin sein, die als Leihgabe des Frankfurter Städelmuseums zu uns nach Duisburg kommt.



AB 3. DEZEMBER 2016

Neupräsentation der Sammlung

Nach langer Zeit ist die 1987 eröffnete Ausstellungshalle im Neubau des Museums wieder zugänglich. Aus diesem Anlass zeigt das Lehmbruck Museum raumgreifende Installationen und großformatige Werke in dieser ganz besonderen Ausstellungssituation; dazu gehören bedeutende Werke von internationalen Künstlern wie Christian Boltanski, Jannis Kounellis und Anish Kapoor. Auch eines der Schlüsselwerke der Skulptur des 21. Jahrhunderts, der Raum 90 000 DM von Joseph Beuys, wird wieder zu sehen sein. Das Werk besteht aus einer mit Tonerde verkleideten und mit Wasser gefüllten Badewanne, die einem Sarkophag gleicht. Umgeben wird die Wanne von Fässern mit geschmolzenen Resten von Bleibuchstaben. Durch diese Gegenüberstellung spielt Beuys symbolisch auf den Kontrast zwischen Leben und Geburt auf der einen Seite und Abfall und Rückstand einer Kultur auf der anderen an.

Neben diesen raumgreifenden Arbeiten werden auf der oberen Galerie ausgewählte Highlights aus der Sammlung expressionistischer Werke des Museum wieder präsentiert. Wie kaum eine andere Kunstrichtung steht der deutsche Expressionismus für den Aufbruch der Moderne zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung präsentiert ausgewählte Gemälde, Skulpturen und Grafiken der wichtigsten Vertreter des Expressionismus aus der Sammlung des Lehmbruck Museums. Vertreten sind bedeutende Brücke-Künstler wie Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel ebenso wie der „Blaue Reiter“-Mitbegründer Franz Marc und dessen Künstlerkollegen August Macke und Alexej von Jawlensky.

Bilder
Über LehmbruckMuseum

In einem der reizvollsten Museumsbauten der Nachkriegszeit präsentiert das LehmbruckMuseum eine einzigartige Sammlung moderner Skulptur. Ausgehend vom Werk Lehmbrucks begegnen sich hier Primitivismus und Kubismus, Abstraktion und Expressionismus, Konstruktivismus und Minimalismus – in Werken von Picasso, Barlach, Brancusi, Dali, Magritte, Beuys oder Serra. Zudem verfügt das Museum über Deutschlands bedeutendste Giacometti-Werkgruppe. Wegweisende Wechselausstellungen und Veranstaltungen sowie die überregional beachtete Kunstvermittlung ergänzen die Sammlung und machen das Haus zu einem Ort der Kommunikation zwischen Mensch und Kunst.